Inhalt: Das liest du hier
Warum ich es nicht tue und stattdessen übers Seifensieden schreibe
Diese eine Frage bekomme ich regelmäßig gestellt – per Mail, in Kommentaren oder auf Instagram:
„Warum kann man deine Seifen eigentlich nicht kaufen?“
Schließlich siede ich seit vielen Jahren, teste Rezepturen, experimentiere mit Farben, Düften und Techniken.
Die kurze Antwort lautet: Weil Seife verkaufen etwas völlig anderes ist als Seife sieden. Und genau darum geht es in diesem Beitrag.
Hobby vs. Gewerbe – ein riesiger Unterschied
Solange ich Seife nur für mich, Familie oder Freunde siede, ist es ein kreatives Hobby. Sobald ich Seife verkaufe, bewege ich mich rechtlich im gewerblichen Kosmetikbereich – mit allem, was dazugehört. Und das ist eine ganze Menge:
Die EU-Kosmetikverordnung: Pflicht statt Kür
Seife ist in der EU kein Dekoartikel und kein „nettes Handwerk“, sondern ein Kosmetikprodukt. Damit greift automatisch die EU-Kosmetikverordnung (EG Nr. 1223/2009). Das bedeutet unter anderem:
- Sicherheitsbewertung aller Rezepturen durch eine fachkundige Person
- Produktinformationsdatei (PIF) für jede einzelne Rezeptur
- Verantwortung als „verantwortliche Person“
- Meldung der Produkte im CPNP-Portal
- Lückenlose Dokumentation der Herstellung
Allein dieser Punkt ist für viele Hobby-Seifensieder der erste große Stopp.
Zertifizierungen & Sicherheitsbewertungen
Für jede Rezeptur braucht es:
- eine kosmetische Sicherheitsbewertung
- eine saubere INCI-Auflistung
- Chargendokumentation
- nachvollziehbare Rohstoffnachweise
Das ist fachlich anspruchsvoll – und kostenintensiv. Wer öfter neue Rezepte testet oder saisonal arbeitet, muss das immer wieder neu machen lassen.
Die Seifenküche: nicht einfach die eigene Küche
Ein weiterer Punkt, der oft unterschätzt wird, sind die Produktionsräume. Denn eine „abgenommene Seifenküche“ bedeutet in der Praxis:
- klar getrennte Arbeitsbereiche
- leicht zu reinigende Oberflächen
- Hygiene- und Reinigungspläne
- keine Kreuzkontamination mit Lebensmitteln
- ggf. behördliche Kontrollen
Die heimische Küche, in der auch gekocht wird, ist zwar wunderbar geeignet zum Hobbysieden, für die gewerbliche Produktion reicht sie in der Regel aber nicht aus.
Auflagen, Richtlinien, Kontrollen
Hinzu kommen weitere Themen, wie etwa
- Gewerbeanmeldung
- Versicherungen (Produkthaftung!)
- Etikettierung nach gesetzlichen Vorgaben
- Rückverfolgbarkeit jeder Charge
Das alles ist sinnvoll und wichtig – aber es macht aus kreativem Seifensieden ein hoch reguliertes Gewerbe.
Buchhaltung & Dokumentation: der unsichtbare Zeitfresser
Und dann fallen neben dem eigentlichen Sieden auch noch die Doku- und Verwaltungsaufgaben an:
- Buchhaltung
- Belegarchivierung
- Lagerverwaltung
- Rohstoffdokumentation
- Steuerliche Pflichten
All das nimmt Zeit, die ich nicht mit Rezeptentwicklung, Schreiben oder dem Austausch mit der Community verbringen würde.
Das Schöne an meinem Seifen-Hobby: ich habe immer ein kleines Geschenk griffparat:
Inspiration & Bestätigung von außen
Sehr gut aufbereitet findest du diese Themen übrigens auch bei Jessica Maas, die aufklärt, was gewerbliches Seifensieden wirklich bedeutet – jenseits von Instagram-Ästhetik und Marktständen.
Auch mein eigener Instagram-Beitrag zum Thema hat gezeigt, wie groß das Interesse – und gleichzeitig die Unsicherheit – bei vielen Hobby-Seifensiedern ist, wenn es um den Schritt zum gewerblichen Sieden geht.
Warum ich mich bewusst dagegen entschieden haben
Ich habe mir all das angeschaut, abgewogen und für mich ehrlich beantwortet: Will ich Unternehmerin sein – oder Wissensvermittlerin?
Meine Antwort war klar. Ich liebe: das Experimentieren, das Lernen, das Hinterfragen von Mythen, das Erklären von Zusammenhängen, das Schreiben über Seife, und natürlich das Produzieren von Content für mein Instagram und von Seifenvideos für meinen YouTube Kanal.
Das passt momentan besser in mein Leben als Formulare, Auflagen, Kontrollmechanismen oder wirtschaftlichen Druck auf ein kreatives Hobby.
Mein Weg: Seife als Hobby – Wissen als Angebot
Eins könnt Ihr mir glauben: ich würde nichts lieber tun, als meine eigene kleine Seifenmanufaktor zu gründen, und meine Seife zu vermarkten. Marketing ist im echten Leben mein Beruf, und das kann ich. Produktfotos schießen, Onlineshop bauen? Kein Problem?
Aber die vielen Auflagen und Pflichten passen momentan einfach nicht in mein Leben. Und so bleiben meine Seifen bewusst Hobbyprodukte. Statt sie zu verkaufen, teile ich mein Wissen hier auf dem Blog, in Artikeln, Videos und Social Media Content.
So kann ich weiter frei experimentieren, ehrlich über Fehler sprechen, Dinge ausprobieren, die kommerziell keinen Sinn machen und und mein Wissen ohne Verkaufszwang weitergeben.
Außerdem liebe ich den Austausch mit der Seifencommunity in Blogs und Foren, und natürlich ganz direkt mit Euch, meinen Lesern und Followern auf meinen Social Media Kanälen. Dieser direkte Kontakt mit Euch bedeutet und gibt mir unglaublich viel und bestätigt mich regelmäßig darin, dass diese Entscheidung die richtige ist (zumindest für den Moment).
Fazit: Nicht verkaufen heißt nicht „nicht ernst nehmen“
Dass ich meine Seifen nicht verkaufe, bedeutet nicht, dass ich sie weniger ernst nehme. Im Gegenteil: Ich habe großen Respekt vor allen, die den gewerblichen Weg gehen – und genauso viel Respekt davor, bewusst beim Hobby zu bleiben.
Meine Feinseiferei ist genau daraus entstanden: Aus der Liebe zur Seife, nicht aus einem Verkaufsplan. Für den Moment ist das genau die richtige Entscheidung. Und wer weiß, vielleicht sieht es eines Tages anders in meinem Leben aus, und die Feinseiferei geht doch noch in Produktion. Denn wenn ich eines gelernt habe im Leben, dann ist es „sag niemals nie„.:)
Wenn du magst, erzähl mir gern:
Hast du schon einmal überlegt, Seife zu verkaufen – oder dich bewusst dagegen entschieden?
