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Wenn du schon länger Seife im Kaltsiedeverfahren machst, bist du bestimmt schon einmal über den Begriff Gelphase gestolpert (engl.: gel phase). Aber was genau steckt eigentlich dahinter? Braucht jede Seife eine Gelphase? Und wie kannst du sie gezielt herbeiführen oder verhindern, je nachdem, was du mit deiner Seife erreichen willst?
In diesem Beitrag nehmen wir die Gelphase unter die Lupe – von der Chemie hinter dem Prozess über ihre praktischen Auswirkungen bis hin zu ganz konkreten Tipps, wie du sie steuerst.
Was ist die Gelphase beim Seifensieden?
Die Gelphase ist ein Phänomen beim Kaltsiedeverfahren, in dem sich der Seifenleim stark erwärmt und eine gelartige, durchscheinende Konsistenz annimmt. Die Wärme entsteht durch die exotherme Reaktion, bei der Fette und Lauge miteinander reagieren und Wärme freisetzen. Dabei kann die Temperatur im Inneren der Seife deutlich ansteigen – häufig auf über 50-60 °C und in manchen Fällen sogar deutlich darüber.
Optisch erkennst du die Gelphase daran, dass die Seife in der Form dunkler und etwas „gläsern“ wirkt, bevor sie wieder abkühlt und in ihr endgültiges, opakes Aussehen zurückkehrt. In dieser Phase läuft die Verseifung besonders schnell und vollständig ab.
Wann ist eine Gelphase wünschenswert?
Eine Gelphase kann aus mehreren Gründen sinnvoll sein:
Bessere Farbwirkung: Eine vollständige Gelphase kann die Farben deiner Seife kräftiger und satter erscheinen lassen, vor allem bei natürlichen Farbstoffen, die im ungegelten Zustand sonst eher gedämpft wirken.
Schnelleres Festwerden: Da die Reaktion durch die Wärme beschleunigt wird, härtet die Seife in der Form meist schneller aus – das kann das Ausformen erleichtern.
Komplettere Verseifung: Viele Siederinnen beobachten, dass Seifen, die gut gegelt sind, insgesamt etwas gleichmäßiger durchverseift erscheinen.
Kurz gesagt: Wenn du kräftige Farben und ein gleichmäßige, festes Seifenstück möchtest, kann eine Gelphase genau das Richtige sein.
Woran erkennst du, ob deine Seife eine Gelphase durchlaufen hat?
Die Gelphase lässt sich relativ eindeutig beobachten:
- Die Seife erwärmt sich, oft spürbar auch an der Außenseite der Form.
- Die Masse wirkt dunkler oder durchscheinend in der Mitte der Form (die Gelphase läuft dabei von innen nach außen)
- Die Konsistenz kann zunächst weich oder „vaselineartig“ erscheinen, bevor sie wieder fest wird.
Nach dem Abkühlen erscheint die Seife in der Regel in ihrem normalen, opaken Look, aber mit den optischen und strukturellen Unterschieden, die eine durchlaufene Gelphase mit sich bringt.
In diesem Video siehst du mehr Details dieser extra-heißen Gelphase. Bis auf den Riss wurde die Seife traumaft schön:
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Wie läuft die Gelphase ab?
Die Gelphase ist im Grunde ein Teil der Verseifung, bei dem durch die Reaktion von Lauge und Fetten Wärme entsteht:
- Die Lauge wird mit den Fetten und Ölen zum Seifenleim angerührt und kommt in die Form – damit startet die chemische Reaktion der Verseifung.
- Die entstehende Wärme wird im Inneren der Seife gehalten (je nach Isolation).
- Die Seife wird gelartig, dunkler und heiß – das ist die Gelphase. Dabei startet der Vorgang in der Mitte der Seife und verläuft dann nach außen.
- Nach einigen Stunden kühlt die Seife wieder ab, sie setzt ihren Reifungsprozess fort.
Die Gelphase ist völlig normal und gehört bei vielen Rezepten zum Seifenmachprozess dazu – sie kann aber auch ganz bewusst beeinflusst werden.
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Wann sollte eine Gelphase vermieden werden?
Auch wenn eine Gelphase viele Vorteile für die Seife haben kann, gibt es Situationen, in denen sie eher unerwünscht ist:
- Milchseifen: Milch enthält natürliche Zucker, die bei hohen Temperaturen leicht verbrennen oder braun werden – also lieber eine Gelphase vermeiden, wenn deine Seife hell bleiben soll
- Pastellfarben und matte Designs: Wenn du sehr helle, matte oder zarte Farbtöne planst, kann eine Gelphase die Farben intensiver und kontrastreicher machen als gewünscht.
- Aufheizende Zusätze: Zusätze wie Honig oder Zucker können die Temperatur der Seife noch weiter erhöhen und unter Umständen zu Heat Tunnels oder Rissen führen, wenn die Seife übermäßig heiß wird.
Kurz: Wenn du einen eher subtilen Look oder empfindliche Zutaten hast, die bei Hitze Probleme machen, ist es besser, die Gelphase zu vermeiden.
Wie kannst du eine Gelphase herbeiführen?
Wenn du möchtest, dass deine Seife in die gelt, kannst du diese Faktoren gezielt nutzen:
- Ausgangstemperatur: Siede bei einer höheren Temperatur
- Isolation: Pack die Form warn ein in alte Handtücher, oder stelle sie unter einen Karton. Du kannst die Seife auch auf ein Heizpad stellen, oder für 1-2 Stunden in den Ofen bei 50 °C (dabei aber die Seife im Auge behalten, dass sie nicht zu heiß wird und aufreißt).
- Seifenform: Große Seifenmassen halten die Wärme besser. Damit kommt die Seife in einer großen Kastenform besser in die Gelphase als in kleinen und dünnen Einzelformen.
- Rezeptwahl: Zusätze wie Honig können die Temperatur erhöhen.
Diese Methoden helfen dem Seifenleim, seine eigene Wärme zu halten und intensiver durch die Gelphase zu gehen.
Wie kannst du eine Gelphase vermeiden?
Wenn du eine Gelphase verhindern willst, helfen diese Tipps:
- Kühl arbeiten: Öl und Lauge niedriger temperieren.
- Keine Isolation: Die Seife offen stehen lassen, damit Wärme schneller abgegeben wird.
- Kühlen: Die Seifenform vorübergehend in einem kühlen Raum, Keller oder sogar Kühlschrank lagern. Besonders Milchseifen werden gern direkt nach dem Einfüllen ins Eisfach gestellt, um schön hell zu bleiben.
- Kleinere Formen: Mehr Oberfläche sorgt für schnellere Wärmeabgabe.
Durch diese Maßnahmen bleibt die Temperatur geringer und ein Durchlaufen der Gelphase kann reduziert oder verhindert werden.
Fazit: Gelphase beim Seifensieden bewusst nutzen
Die Gelphase ist also weder gut noch schlecht – sie ist ein Werkzeug. Wenn du verstehst, wie sie entsteht und wie sie sich auf deine Seife auswirkt, kannst du sie gezielt einsetzen oder bewusst vermeiden.
Genau darin liegt der große Vorteil beim Seifensieden: Du hast es selbst in der Hand. Mit ein wenig Erfahrung und Aufmerksamkeit kann die Gelphase vom Unsicherheitsfaktor zum festen Bestandteil deiner Seifenkreationen werden.
